Zahnarztpraxis einfach seniorengerecht gestalten

Der Anteil der Senioren an der Gesamtbevölkerung Deutschlands wächst kontinuierlich. Gerade die älteren Menschen haben in allen Lebensbereichen spezifische Bedürfnisse, die es auch in der Zahnarztpraxis zu berücksichtigen gilt.

Das Ziel einer seniorengerechten Zahnarztpraxis ist es, Menschen in hohem Alter und Personen mit Behinderungen regelmäßige Zahnarztbesuche zu ermöglichen, und damit deren Mund- und Zahngesundheit zu bewahren. Neben der eigentlichen klinischen Versorgung, bei der es besondere Situationen zu berücksichtigen gilt, spielen manchmal ganz einfache Dinge eine Rolle, um den älteren Patienten den Aufenthalt nicht unnötig zu erschweren oder überhaupt erst (wieder) zu ermöglichen.

  • Gute Erreichbarkeit der Praxis:

Sie sollte gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen und gut beleuchtet sein, zudem entweder ebenerdig liegen oder über einen Aufzug verfügen. Ist eine Treppe vorhanden, hilft oftmals schon das Anbringen eines beidseitigen Treppengeländers, um die Sicherheit zu erhöhen oder das Praxisteam holt den Patienten an der Haustür ab und begleitet ihn zur Anmeldung, das schafft Vertrauen und Sicherheit.

  • Barrierefreie Wege und altersgerechtes Mobiliar:

Meist hilft es schon, in der Praxis die Beleuchtung der Räume leicht zu erhöhen und die Wege vom Warte- zum Behandlungszimmer von unnötigem Mobiliar oder Dekoration zu befreien. So werden Stolperstellen entfernt und das Gehen gerade für Patienten mit eingeschränktem Seh- oder Gehvermögen sicherer.

Das Anbringen eines Klappsitzes im Lift oder seniorengerechte Sitzmöbel im Wartezimmer sind einfache Hilfsmittel, um es der betagten Klientel vor Ort bequemer zu machen. Vielleicht braucht es bei der Anmeldung eine einfache Stehhilfe, um die älteren Patienten zu entlasten.

  • Relevante Hilfestellungen:

Kommunikative Einschränkungen führen oft zu Barrikaden: Wenn ein Patient nicht gut hört oder sieht und den Ausführungen und Hinweisen des Zahnarztes oder der Helferin nicht folgen kann, entsteht Unsicherheit, die zu Verweigerung führen kann. Dem kann man einfach begegnen, indem man zunächst diese Einschränkungen abfragt und dann entsprechend reagiert. Hört der Patient schlecht, muss man etwas lauter sprechen und ggf. nachfassen, ob das Gesagte angekommen ist. Vielleicht ist es auch besser, wenn z. B. eine Bezugsperson zur Unterstützung des Patienten vor Ort ist, um evtl. Unsicherheiten vorzubeugen oder bei notwendigen Versorgungsentscheidungen hilfreich zur Seite zu stehen.

Überraschen Sie die Senioren unter Ihren Patienten mit einfachen aber wirkungsvollen Hilfsmitteln in der Praxis wie konfektionierten Hörgeräten und Lesebrillen, Vakuumkissen, Zahnbänkchen, Kopfstützen für den Rollstuhl oder Stirnlampen.

  • Sensibles Praxisteam:

In einer seniorengerechten Praxis ist es sinnvoll, wenn alle Mitglieder des zahnmedizinischen Teams gezielt für die Besonderheiten im Umgang mit Senioren geschult sind und sich für ihre Praxis individuell auf diese sehr heterogene Patientengruppe einstellen. Der Anfang ist auf jeden Fall, eine Sensibilität für die Bedürfnisse der älteren Patienten zu entwickeln und diese nach ihren speziellen Bedürfnissen zu fragen. Schon bei der Terminvergabe ist es sinnvoll, nach den Wünschen des Patienten und nicht nach der optimalen Praxisauslastung zu terminieren.

Das Behandlungskonzept der seniorengerechten Zahnmedizin ist speziell auf die Bedürfnisse älterer Patienten zuzuschneiden und altersbedingte Veränderungen und eventuell chronische Erkrankungen bei der Aufstellung der Therapiemaßnahmen müssen berücksichtigt werden. Oft stellen z. B. chronische Krankheiten besondere Anforderungen an die Bewertung der Therapiefähigkeit. Standardthemen sind hier die Blutgerinnung, Mehrfach- oder Kontramedikationen, aber auch Vergesslichkeit oder eingeschränkte Mobilität, die u.a. die notwendige Mund- und Zahnpflege einschränken können. Daher bietet sich eine Aktualisierung der Anamnese bei jeder Befunderhebung an. Kommt dann eine Therapierung in Betracht ist es ggf. sinnvoll, von Beginn an offensichtliche und versteckte Entscheidungsträger wie Verwandte, andere Vertrauenspersonen oder Betreuer in den Therapieentscheidungsprozess einzubeziehen.

 

Weitere Informationen zu dem Thema „Seniorengerechte Zahnarztpraxis“ finden Sie zum Beispiel unter https://www.zahnjob.de/seniorengerechte-zahnarztpraxis.html oder unter

https://www.gefferth.de/fileadmin/user_upload/DZ315_ABZ_Gefferth_NEU_3.pdf.

 

Darüber hinaus ist auch eine Zertifizierung zur „Seniorengerechten Praxis nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnmedizin (DGAZ)“ möglich. Hierzu erfahren Sie mehr auf der Website der DGAZ unter www.dgaz.org.